Keine Schulcontainer an der Rosenhöhe

Presse

Provisorium für zweijährige Bauphase hätte acht Millionen gekostet – Start verzögert sich

Von Peter Bollig

Brackwede(WB). Auf drei Etagen sollte an der Brackweder Straße ein rund 112 Meter langes Gebäude aus vielen einzelnen Containern entstehen – als zweijähriges Provisorium für die Schüler während der Dauer der Bauarbeiten an der Gesamtschule Rosenhöhe. Weil dieses Provisorium acht Millionen Euro gekostet hätte, hat die Stadt das Projekt gestoppt.

Die Ausschreibung für das Containergebäude war aus dem Ruder gelaufen, wie Reinhold Peter, Technischer Leiter des städtischen Immobilienservicebetriebs (ISB) sagt. Kalkuliert hatten die städtischen Planer mit zwei bis drei Millionen Euro. Ein erstes Angebot lag Peter zufolge bei 3,7 Millionen Euro. »Das hätten wir wohl noch akzeptiert«, sagt der ISB-Leiter. Dann sei klar geworden, dass die Firma die falschen Container angeboten habe. Das nächste Angebot lag demnach bei 6,7 Millionen. Der Anbieter habe aber nachträglich mitgeteilt, das Gebäude nicht, wie gefordert, bis zu den Sommerferien aufstellen zu können, um einen Umzug in den Ferien zu ermöglichen. Dazu wären Reinhold Peter zufolge rund eine Million Euro an Erschließungskosten gekommen. ISB und das Amt für Schule haben angesichts dieser fast acht Millionen Euro die Ausschreibung aufgehoben und die Containerlösung zu den Akten gelegt.

Damit kann der geplante Baubeginn nach den Sommerferien 2018 nicht mehr eingehalten werden. Geplant war, zunächst den Altbau für die Sekundarschule I zu sanieren, anschließend den Neubau für die Sekundarstufe II zu errichten. Jetzt soll der Neubau vorgezogen werden (Fertigstellung 2022), damit die Schüler der Oberstufe, die derzeit in der früheren Marktschule am Stadtring untergebracht sind, dort einziehen können. Danach wechseln die jungen Leute der Sekundarstufe I in die Marktschule bis zum Ende der Altbauerneuerung im Herbst 2023. Weil für die Schüler der Platz dort nicht ausreicht, wie Reinhold Peter betont, werden an der Marktschule zusätzlich Container aufgebaut. Die Kosten dafür: rund 2,8 Millionen Euro. Außerdem soll die Marktschule für 350.000 Euro teilweise umgebaut werden, unter anderem um Barrierefreiheit zu schaffen. Insgesamt verschlingt der Um- und Neubauprozess an der Rosenhöhe laut Reinhold Peter etwa 30 Millionen Euro.

Weil vieles jetzt neu geplant werden muss, rechnet der Technische ISB-Leiter mit einem Baubeginn erst Mitte 2020. Allerdings würden jetzt Maßnahmen vorgezogen. So soll die energetische Sanierung des Altbaus zeitnah beginnen, ein so genannter Cluster – Raumeinheiten, die fürs Lernen und arbeiten zusammengefasst werden – soll eingerichtet werden. Ebenso wird ein Teil der Verwaltung erneuert. Zudem soll die Turnhalle durch einen Neubau ersetzt werden.

Nicht weiter verfolgt wird unterdessen die Möglichkeit, andere Ausweichquartiere während der Bauphase zu beschaffen. Wie berichtet, hatten die Politiker über rund zehn Varianten diskutiert, bei denen bis zu drei weitere Schulen belastet worden wären, um die Gesamtschüler vorübergehend etwa im Gebäude der Realschule Senne oder in den Teilen der Marktschule unterzubringen, die von der Realschule Brackwede genutzt werden. Um keine weiteren Schulen zu belasten, hatte sich die Politik für die teure Containerlösung entschieden.

Schon weil die frühere Kupferhammerschule als wesentlicher Pfeiler in diesen Umzugsvarianten inzwischen von der Brocker Grundschule genutzt wird, komme eine Alternativplanung nicht infrage, sagt Georg Müller, Leiter des Amtes für Schule.

Belastet wird indes die Realschule Brackwede, weil sie die von der Gesamtschule beanspruchten Räume in der Marktschule eigentlich nach dem Auszug der Sekundarstufe II übernehmen wollte, sich diese Übernahme jetzt aber um Jahre verzögert. Allerdings wird Peter und Müller zufolge die Realschule auch profitieren: Die für die Sekundarstufe I am Marktschulgebäude errichteten Container sollen dort nach deren Auszug stehen bleiben. Müller: »Dann können wir das Gebäude der Realschule leer ziehen«: Die Realschüler wechseln dann vorübergehend in das Marktschulgebäude samt Container, damit die Realschule an der Kölner Straße saniert werden kann. Dort soll unter anderem in Fenster, Fassade und Brandschutz investiert werden. Für diese Maßnahme gab es bislang keinen Termin. Jetzt könnte sie 2024 abgeschlossen sein.